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Radtour Schmilka-Leipzig PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 16. November 2009 um 22:38 Uhr

Eine Radtour, zwei Liegetrikes, von Schmilka nach Leipzig.



Die Tour sollte von Schmilka an der tschechischen Grenze über den Elberadweg nach Meißen und von dort aus über die Dörfer zurück nach Leipzig gehen. Es traf sich, daß trotz einer Planungszeit von zwei Wochen, für das Reisewochenende wunderbares Wetter vorausgesagt wurde. Welches auch voll und ganz eintrat.

Wir standen 6:00 auf dem Bahnhof und sicherten uns die Plätze im Zugabteil. Mit zwei Trikes ist das immer so eine Sache... Die Fahrt nach Dresden verlief problemlos. In Dresden stand der Zug nach Schmilka leider noch nicht da, sondern fuhr halt irgendwann ein und wir sahen schon, daß es rammelvoll wurde. So hieß es dann, in aller Hektik, die Trikes dort reinrammeln. Im Fahrradabteil waren die Plätze schon besetzt (von Leuten, nicht von Fahrrädern), so daß wir die Wahl zwischen rumbrüllen und Gang hatten. Wir nahmen den Gang und blockierten den komplett.

So macht man viele neue Bekannte, hauptsächlich kamen Anfragen, daß jemand aussteigen möchte, was die Räder kosten, wo wir langfahren, das Übliche. Bis auf ein älteres Ehepaar, die rummotzen mußten, das sowas ja gar nicht gehe!, problemlos. Selbst die Schaffnerin hatte kein Problem mit den Panzern, die den Gang blockierten.

In Schmilka gab es noch eine Treppe als Hindernis, dann ging es auf dem wunderbar zu fahrenden Elberadweg erstmal Richtung Dresden.

Das Wetter tat sein Übriges, wir hatten nicht viel Augen für die Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz, die mir mein Reisebegleiter allesamt ausführlich erläuterte. Ich war dort nur mal als Wanst.

Zwischendurch mußten wir mal Fähren, das ging fast, ohne abzusteigen. Mit einigen Foto- und Eßpausen erreichten wir ziemlich zügig Dresden und ich habe das erste Mal die Elbauen gesehen, um die es beim Dresdner Brückenstreit geht. Die fragliche Baustelle war auch schon vorhanden.

Nach 50km begannen meine Knie wehzutun. Das war ein ziemlicher Schock, da mir sowas weder auf dem Up noch auf der doch langen Frankreichrundfahrt passiert war. Ich machte mir etwas Sorgen, wie es denn mit den 100km am nächsten Tag so gehe und beschloß, einfach die Trittfrequenz zu erhöhen. Ich dümpelte so bei 70-80 rum und achtete nun penibel darauf, mich oberhalb der 90 aufzuhalten. Und siehe da, es ging bedeutend besser.

In Dresden unterbrachen wir doch mal unsere Rekordfahrt und fuhren an der Frauenkirche vorbei. Für ein Foto ;)

Einige km hinter Dresden auf der B6 wurde es tatsächlich ungemütlich. Die Straße war sehr stark befahren, wurde bergig und dementsprechend unübersichtlich. Wir beschlossen, und einige Meter nach rechts in die Büsche zur Elbe durchzuschlagen und diese über eine Eisenbahnbrücke zu queren. Der offizielle Radweg ging da lang, es war keine Problem. Wir müßten die Elbe irgendwann allerdings nochmals queren, um den angepeilten Campingplatz zu erreichen.

Dieses Problem erledigte sich allerdings, als auch auf der "falschen" Elbseite ein Campingplatz auftauchte. Diesen haben wir nach 80km genommen, "Zelten? Um die Jahreszeit?". Naja, da ist es um so leerer und ruhiger. Abends gab es in einem Biergarten in der Nähe verbranntes Schnitzel mit versalzenen Kartoffeln, egal, rein damit ;) Die Nacht war in Ordnung, mein Schlafsack war beim Service, es wurden 100g Daunen aufgefüllt, dementsprechend warm wars auch.

Am nächsten Morgen weckte mich der Mitreisende um 7:30 mit Cappucino, Schokocroissants und Zwieback mit Erdnusspampe. Lecker. Bis 9:00 mehrten wir mit Zelteinpacken rum, dann ging es auf den Endspurt Richtung Leipzig. 100km waren an diesem Tag zu schaffen. Bis hinter Meißen war es sehr entspannt, da war noch Elberadweg. Danach fing es an, über die Dörfer zu gehen und es wurde nicht so schön. Nicht wegen des Verkehrs sondern wegen des Windes, der konstant mit 2-3BFT daherblies und die ganze Tour direkt von vorne kam. Zusammen mit einigen deftigen Steigungen kamen wir manchmal aus dem einistelligen Geschwindigkeitsbereich nicht raus und ich fragte mich, wie wir Leipzig jemals schaffen.
Andererseits, wo's rauf geht, gehts auch runter: So pesten wir mit über 50 Sachen durch diverse Ortschaften und es gab auch ausreichend Gegenden, wo man halbwegs vom Wind geschützt war und konstant über 20km/h bleiben konnte. Die Trittfrequenzerhöhung hat wirklich was gebracht, mein Knie merkte ich ab Mittag kaum noch und kurbelte tapfer daher. So traten wir dahin, pausten immer mal um was zu essen und waren schließlich gegen 18:00 nach 197km Gesamtreise (111km am Sonntag) wieder zuhause.

Nachwirkungen waren ein leichter Muskelkater am Montag (das ist keine Angabe, schlimm war er wirklich nicht) und ein etwas schmerzender Hintern am Sonntag abend. Ich schiebe das mal auf die ungewohnte Belastung. Genau so habe ich mir das Fahrradfahren mit einem Trike vorgestellt.

Die Trittfrequenzerhöhung hat wirklich was gebracht, auch wenn sie erst mit einem Holzhammer durchgesetzt werden mußte. Ich fahre in Zukunft auch mit hoher Frequenz, einfach weil es irgendwann anfängt, süchtig zu machen.

Es hat sich wieder mal bestätigt, daß man mit einem Trike eine Mischung aus Zootier und Informationsstand ist. Es wird einem überall hinterhergeguckt, aber ich gewöhne mich so langsam dran. Fragen werden immer wieder gestellt (und immer wieder die selben). Trotz allem empfiehlt sich bei solchen Touren eine möglichst blickdichte Sonnenbrille ;)

 

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